Zunächst die Stellungnahme eines unabhängigen Sachverständigen. (Abschrift)   


Dr.-Ing. Diethelm Linse                                                                                                  Dr. Linse und Partner
Beratender Ingenieur für das Bauwesen VBI/BYIK-Bau                                                     Karlstr. 46    D-80333 München
Von der IHK für München und Oberbayern öffentlich bestellter  und                                Tel. 089 549125 – 0  Fax  -20
Vereidigter Sachverständiger für Beton- und Stahlbetonbau                                             linse@drlinse.de    www.drlinse.de
Prüfingenieur für Baustatik  und verantwortlicher Sachverständiger für
Standsicherheit im Bauwesen Fachrichtungen Massivbau und Holzbau


Herrn
Dipl.-Phys. Horst Schramm
Augustenfelderstr. 33
80999 München                                                                                                            29. 6. 2007


BV: Haussystem Öko500

Sehr geehrter Herr Schramm,

Sie haben einen Haustyp entwickelt, der auf grossformatigen Betonteilen mit hoher zusätzlicher Wärmedämmung beruht.  Die Fertigteile werden auf der Baustelle liegend hergestellt und mit einem von Ihnen konstruierten „Manipulator“ aufgestellt.
Die Verbindungen der einzelnen Elemente erfolgen über Konsolen und stahlbaumässige Anschlüsse. Zielvorstellung ist die Kombination einer ökonomischen Konstruktion mit hoher ökologischer Wirksamkeit.

Auf Grund der mir von Ihnen vorgelegten Ausführungsskizzen bestätige ich gerne, dass die einzelnen Bauteile hinsichtlich Standsicherheit beim Aufstellen als auch im fertigen Bauwerk ausreichend konstruiert sind. ( Ich setze dabei voraus, dass noch eine detaillierte prüffähige statische Berechnung vorgelegt wird und soweit erforderlich Ergänzungen vorgenommen werden), dass durch die angegebenen Verbindungen das Zusammenwirken der Fertigteile ausreichend gesichert ist (auch hier sind noch entsprechende rechnerische Nachweise erforderlich) dass die Konstruktion und auch die Art der Herstellung insbesondere für Kleinbaustellen eine sehr wirtschaftliche Lösung darstellt.

Für die weitere Bearbeitung des Projekts wünsche ich viel Erfolg. Ich würde mich freuen, von Ihnen weiter informiert zu werden.

Mit freundlichen Grüssen
Gez. Linse


Manipulator und Referenzbau

Auf der Fotonachzeichnung sieht man einen Prototyp des Manipulators ( kurz „Mani“) Die Tragkraft ist 200 kN (20 t). Traversen verteilen die Kraft.
Im Hintergrund ein mit unseren Aussenwänden errichteter Referenzbau.
( Zusätzliche Möglichkeit unserer Technologie: Auf drei Punkten gelagert.
Sicher gegen Erdverwerfungen)



Fig.2. Die Funktionen der Manipulatoren:
Wände: a Aufrichten (vgl. Foto); b Horizontale Verschiebung; c Vertikale Verschiebung.
Geschossdecken: Zusätzlich auf Wänden oder Stützen "reitende" Manipulatoren
d Schräges Anheben und Einfädeln von Geschossdecken.
e Horizontales Anheben von Geschossdecken unbegrenzter Grösse.



Fig.3 Die Aussenwände haben einen Betonteil aus tragenden Hauptrippen 2, Nebenrippen 3 und Plattenspiegeln 4. Sie werden liegend hergestellt, indem man Hartschaumschichten 5, 6 so auf eine Unterlage legt, dass Raum für die Rippen frei bleibt.
Nach der Montage Ergänzung durch Trockenbau: Mineralwolle Dämmstoffklasse 040. Vor den Tragelementen 025. Dampfsperre 13 vorzugsweise mit Alufolien belegt, Installationsräume 14, Ecke: Stahlverbindung 9. Schaumabdichtung 10.
Beliebige Dicke der (preiswerten) Dämmstoffe. Mit nur 32cm Wandstärke erreicht man den Dämmwert U = 0,15. Passivhausqualität. Vgl. Vorbemessung.
Handwerklich ist die Einfachheit klar:
Es ist einfach, vorbereitete Randschalungen, Hartschaum und Eisen zu verlegen.
Nur Betonieren und Nachbehandeln benötigen Fachkunde.
Die Holz- und Trockenbauarbeiten sind wieder einfach.



Fig.4 Feuerfeste Geschossdecken (Brandschutzklasse F90-A)
Sie bestehen aus Kassettenstücken 3 ohne Schubbewehrung mit b >= 5d nach DIN 1045-1; 7.3.2.8; 11.3.2; mit 10 cm dicken Verbindungsdecken 4, die durch Rippen 5, die ihrerseits als Kassettenstücke gestaltet sind, verstärkt werden können. Die Betondeckungen nach DIN 4102 und DIN 1045 sollten übereinstimmen. (DIN 4102-4; Tab. 6....26) Eigengewicht der Decke ab 3,2 kN/m^2. Formgebung wie bei den Wänden durch Hartschaum, der nach der Montage herausgenommen und wiederverwendet wird.
4b: Harte oder weiche Auflagerung auf Innenwänden 5 mit Rippenfortsätzen 1a; 1b .
4c: Zugverbindungen 6 zwischen den Auflagern.
Wärmebrückenfreie Auflagerung auf Aussenwänden je nach Lastfall ist in prüffähiger Form vorbereitet. (vgl. Schreiben Dr. Linse)
Spannweiten L z.B. nach der Formel L^2 = 150 * d     dividiert durch 2,4;   0,8;   0,6
bei Kragarm; einseitiger bzw. zweiseitiger Einspannung. (DIN 1045)
Die Decke verbindet sparsamen Materialeinsatz mit hoher akustischer Qualität.

Die Technologie ergibt sich zwangsläufig:
Sparsam eingesetzter Beton ist das effizienteste Massivmaterial.
Liegende Herstellung grösstmöglicher Teile ist die effizienteste Verarbeitung.
Grossteile können von Kranen nicht bewegt werden.
Folge: Man braucht leichtes Hebezeug => Manipulatoren
Diese können mit Grossteilen nur einfache Bewegungen ausführen.
Die Teile müssen daher „mundgerecht“ bereit liegen.
Folge: Fertigung in Stapeln unmittelbar an der Einbaustelle.


=>Die Manipulatoren sind einfache Maschinen, die nach den Regeln der Seiltechnik konstruiert und von handelsüblichen Getriebemotoren angetrieben werden. Sie werden von nationalen Sachverständigen abgenommen. (Beschreibung andernorts).


Fig.5 Aufrichten von Wänden auf einem Stapel.
Man muss für Führung der Unterkante sorgen. Dies kann z.B. dadurch geschehen, dass man in der Wand Ausnehmungen vorsieht, in die Stützteile 1 eingreifen. Die Oberkante dieser Stützteile muss so geformt sein, dass die Wand nicht horizontal wegrutschen kann.
Zur Vermeidung von Spannungsspitzen ist sie ausgerundet. Wo dies nicht ausreicht, können herausnehmbare Stahlteile die Spannungsspitzen aufnehmen. (Hertzsche Pressung)



Praxis: Standardmanipulator.
Die prinzipiellen Möglichkeiten des Mani sind nur durch örtliche Gegebenheiten begrenzt. Die Mani-Höhe kann der jeweiligen Aufgabe angepasst werden.
Es hat sich jedoch gezeigt, dass ein Standardmani in der Grösse des Prototyps (Fig.1) einerseits allen Aufgaben gewachsen ist, andererseits noch handlich ist.
Bei Geschossbauten, also Bauten mit feuerfesten Geschossdecken, kann man in einem Arbeitstakt drei, mit Hilfsgeräten vier Geschosse bauen.
Ein Takt bedeutet, dass alle Betonteile montagefertig vorliegen. Die aufzurichtenden Wände sind dann ca. 9m hoch, was sicherheitstechnisch beherrschbar ist.
Man kann die skizzierten Bauten nach nationaler Abnahme des Mani und Anpassung der Statik an nationale Vorschriften ohne Erprobungsphase ausführen.


Vorbemessungen (Lit. = Schneider Bautabellen 16. Aufl.)

Wärmedämmung. (EN ISO 6946; Lit. ) Vereinfachte Berechnung: Installationsraum 10% Holz 0,12; 90% Dämmstoff 0,04; d= 6cm -> R1>1,25; Kurzwandstücke 15% der Fläche 12 cm Dämmstoff 0,025 mit 10 cm Überstand. RkW = 0,17 + 1,25 + 0,12/0,025 = 6,22; Feld: Halbe Flanke zu Nebenrippenfläche addiert: 25% Nebenrippe. Rrippe = 0,17+1,25+0,17/0,04 = 5,67; 60% Plattenspiegel: Rsp = 0,17+1,25+0,22/0,04 = 6,92. Wandstärke 21,2cm. U=0,15/6,22 + 0,25/5,67 + 0,6/6,92 = 0,155
Wärmebrücken werden im konkreten Fall nachgewiesen.

Dampfdiffusion. (nach Glaser. Lit S. 10.38)
Normklima Winter: Aussen –10°C; 80% Luftfeuchte ->Dampfdruck 208 Pa; Sättigungsdampfdruck 260 Pa; Innen 20°; 50% -> Dampfdruck 1170 Pa; Taupunkttemp. 9,3°
Temperatur an Dampfsperre: 20° - 30°*(0,06/0,04+0,13)/6,22 = 12,1° > 9,3
Dampfdruck hinter Plattenspiegel: Dampfwiderstand 0,03*150 =4,5m; Dampfsperre 150m
->Dampfdruck = 208+(1170-208)*4,5/150 = 237 Pa <260.
Ergebnis: Kein Taupunkt in der Wand.

Die Effizienz wird durch Entkoppelung der unterschiedlichen Forderungen erreicht:
Statik: Minimierung der benötigten Betonmenge. Beton ist thermisch nutzlos, bildet aber eine wind- und schalldichte Aussenfläche. Die Plattenspiegel sind diffusionsoffen.
Herkömmlich wird ein traditionelles Haus mit Wärmeschutzmassnahmen versehen, was Kosten- Nutzenrechnungen hervorruft. Hier ist der Wärmeschutz integriert.

Wärmedämmung: Keine zusätzlichen Anforderungen als Putzträger, der den aufgebrachten Edelputz nicht durch Schwinden belasten darf und daher nicht beliebig dick sein kann und noch dazu geschlossenporig sein muss. Hier keine Dickenbegrenzung und preiswerte Mineralwolle, die zugleich Schall dämpft.
Innenflächen: Bewährter Trockenbau als schalldichte Innenschale.

Trittschallschutz. (Lit. Tafel 10.64; 10.65 Zeile 2.2):
Decke 230 kg/m^2 mit Unterdecke -> Ln,w,eq,R = 73; Unterboden 22mm Holzspanplatten Lw,R = 25 -> L`n,w,R = 73 - 25 + 2 = 50 < 53 = erf. L´w,R